Medikamentöse Behandlung bei Acne inversa

Erstellt in Zusammenarbeit mit OA Dr. Rainer Hügel, Facharzt für Dermatologie

Es wird prinzipiell zwischen der topischen (oder äußerliche Therapie – „Salbenbehandlung“) und der systemischen Therapie unterschieden. Letztere bedeutet, dass die Betroffenen Tabletten einnehmen oder Spritzen erhalten. Bestehen nur einzelne Knoten ohne tiefe Fisteln und Narben kann die Anwendung antibiotisch wirksamer Salben oder Lotionen (z.B. Clindamycin) ausreichend sein. Zur systemischen Behandlung der Acne inversa (oder auch Hidradenitis suppurativa) stehen folgende unterschiedliche, teils kombinierte Therapieformen, zur Verfügung:

Antibiotika

Antibiotika werden bei Acne inversa nicht nur wegen ihrer antibakteriellen Wirkung, sondern auch aufgrund ihrer antientzündlichen Wirkkomponente eingesetzt. Mittel der Wahl sind hier sogenannte Tetracycline (Doxycyclinund Minocyclin) sowie in kombinierter Form die Antibiotika Clindamycin und Rifampicin. Dapson wird in der Dermatologie gelegentlich als antientzündliches Medikament eingesetzt und erwies sich auch bei der Behandlung von Acne inversa als wirksam.

Besondere Vorsicht bei der Therapie mit Antibiotika aus der Gruppe der Tetracycline ist beim Sonnenbaden geboten. Da in Kombination mit UV-Strahlung akute Entzündungsreaktionen an der Haut auftreten können, sollte während der Therapie auf die direkte Sonneneinstrahlung verzichtet werden und ein entsprechend hoher Lichtschutzfaktor aufgetragen werden. Beim Einsatz aller Antibiotika müssen entsprechende Blutkontrollen durchgeführt werden, um Nebenwirkungen rechtzeitig zu erkennen.

Retinoide

Retinoide sind Vitamin-A-Abkömmlinge, die als innerliche Behandlung gegeben, eine Therapieoption darstellen. Sie wirken, indem sie das gesteigerte Zellwachstum und die Entzündungsreaktion bremsen. Da die Einnahme während der Schwangerschaft zu schweren Fruchtschädigungen führen kann, dürfen Frauen im gebärfähigen Alter das Medikament nur in Ausnahmefällen nehmen. In diesen Fällen ist eine absolut sichere Verhütung notwendig. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören: Trockenheit von Haut, Lippen und Augen sowie eine Erhöhung der Blutfettwerte – entsprechende Blutkontrollen müssen auch hier durchgeführt werden.

Hormone

Es ist bekannt, dass erhöhte Werte des männlichen Sexualhormons Testosteron den Krankheitsverlauf der Acne inversa negativ beeinflussen können. Sogenannte Antiandrogene heben die Wirkung von Testosteron mehr oder weniger gezielt auf. Der Einsatz dieser Medikamente ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn vor Therapie erhöhte Werte für Testosteron im Blut vorliegen. Bei der Entscheidung über den Einsatz von Hormontherapien sollten auf jeden Fall auf diesem Gebiet spezialisierte Ärztinnen oder Ärzte einbezogen werden.

Biologika

Man weiß heute, dass bei vielen chronisch-entzündlichen Erkrankungen (z.B. chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Schuppenflechte, chronische Gelenksentzündung) ein Eiweiß (Protein), das als TNF (Tumornekrosefaktor) bezeichnet wird, im Entzündungsgeschehen eine wichtige Rolle spielt. Substanzen wie Infliximab und Adalimumab binden ganz gezielt den Entzündungsbotenstoff TNF-alpha und wurden in den letzten Jahrzehnten in der Therapie der oben genannten Krankheiten mit großem Erfolg eingesetzt. Bei Acne inversa wurden erstmals Anfang des neuen Jahrtausends Biologika eingesetzt. Aufgrund von zahlreich veröffentlichten positiven Einzelfallberichten erfolgten im Verlauf entsprechende Studien, die für Infliximab und Adalimumab zeigen konnten, dass mit der TNF-Blockade eine Unterdrückung der Entzündung und damit Besserung der Beschwerden erreicht werden kann. Adalimumab ist derzeit das einzige für Acne inversa zugelassene Biologikum. Biologika werden dem Körper entweder mittels Selbstinjektion subkutan (unter die Haut) zugeführt oder vom Arzt als
Infusion in eine Vene gegeben. Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind unumgänglich: einerseits um dem Entstehen von Nebenwirkungen vorzubeugen, andererseits um andere Komplikationen auszuschließen. Vor Beginn der Therapie müssen bestehende Infektionen wie Tuberkulose oder Hepatitis B und C ausgeschlossen werden, da das Immunsystem durch die Behandlung beeinflusst wird.

Möchten Sie sich das Thema "Medikamentöse Therapie" als praktisches Infoblatt downloaden oder ausdrucken? Dann klicken Sie hier:


ATHUD170586-10072017


War dieser Artikel für Sie hilfreich?
Ja Nein
Wie können wir diesen Artikel verbessern?
Vielen Dank für Ihr Feedback!
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: